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Dr. Jens Ullrich

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Dr. Jens Ullrich

Praxis für Psychotherapie, Coaching & Supervision

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Ursachen psychischen Leidens: Teil 2

Psychische Störungen entstehen, wenn Menschen über lange Zeit wichtige Grundbedürfnisse vernachlässigen. Körperliche Bedürfnisse wie Hunger, Schlaf, Durst sind uns im Alltag mehr oder weniger bewusst. Anders sieht es da bei den psychologischen Bedürfnissen aus: Bindung (sich anderen Menschen zugehörig und verbunden fühlen), Selbstwertgefühl (Erfolgserlebnisse, Anerkennung), Erleben von Kontrolle oder Handhabbarkeit des eigenen Lebens („Ich kann die Ereignisse in meinem Lebens beeinflussen und damit umgehen“), Sinn und Orientierung („Ich weiß für was ich lebe und was mir im Leben wichtig ist“), Erlebnisse von Freude und Genießen herstellen können und unangenehme Gefühle aushalten und bewältigen können. Werden diese Bedürfnisse nicht angemessen befriedigt, entsteht auf Dauer d.h. oft über Jahre ein Übermaß an Stress, der sich auch körperlich äußern kann als Bluthochdruck, Hautprobleme, Herzbeschwerden, Kopfschmerzen usw.


Nehmen wir das Beispiel der häufigsten seelischen Störung, der Depression: Lebt ein Mensch dauerhaft an seinen Bedürfnissen vorbei, sorgt nicht gut für sich selbst, so entsteht eine Erschöpfung auf die meist mit der Strategie „noch mehr desselben“ reagiert wird („Zusammenreißen!“). Es entstehen Stressreaktionen, welche die Nebennieren zum Ausschütten von Stresshormonen anregen und dauerhaft entgleisen können, d.h. chronisch werden: Der Stress bleibt auch wenn man entspannen will, man „kommt nicht mehr runter“. Der Schlaf leidet, die Erschöpfung nimmt zu und damit auch die „Angst zusammenzubrechen“, „nicht mehr weiterzukönnen“. Es beginnt ein fataler Teufelskreis: Im Verhalten dieser Menschen dominieren dann oft Strategien der Vermeidung z.B. Sozialkontakte vermeiden - sich zurückziehen; Versagen und Blamage verhindern; Nicht zeigen, dass man nicht mehr kann; Unangenehme Gefühle nicht spüren wollen – Sorgen und Problemgedanken unterdrücken usw. Die Vermeidungsstrategien wirken kurzfristig entlastend, helfen aber nicht bei der dringend notwendigen besseren Bedürfnisbefriedigung, d.h. die Erschöpfung nimmt weiter zu, sie wird nur weniger wahrgenommen.

 

Damit der Organismus auch in Phasen des „Mangels“ überleben kann, gab uns die Natur einen Trick mit: der Körper schüttet leistungssteigernde Drogen aus, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigt, die Atmung beschleunigt sich, der Körper stellt sich auf Kampf und Flucht ein. Nichts anderes ist Stress: Ein Notfallprogramm, welches Energiereserven mobilisiert und beim Überleben hilft. Das Problem ist nur: Findet die Entlastung auch später nicht statt, gibt es keine Phasen der Regeneration und Erholung, so nimmt das System Schaden. Der Stresshormonspiegel sinkt nicht mehr, das Immunsystem leidet oder entgleist (z.B. Autoimmunerkrankungen), die Neurotransmitter z.B. das Serotonin geraten aus dem Gleichgewicht, die Folge sind Ängste, Unruhe, Schlafstörungen, Grübeln, Niedergeschlagenheit.  Manche Menschen sind stressanfällliger als andere. Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass frühe Erfahrungen von emotionaler Vernachlässigung erheblich beeinflussen, wie Menschen später mit Stress und Gefühlen umgehen. Wer keine Liebe als Kind bekam oder schon früh Stress durch Gewalt etc. ausgesetzt war, bleibt ein lebenlang stressanfälliger, kann sich selbst schlechter beruhigen, weniger gut mit Angst umgehen.

Wenn man sich zusätzlich klar macht, dass sich das Gehirn und Nervensystem über Hundertausende von Jahren entwickelt hat und sich zeitgleich die moderne Welt in den letzten 100 Jahren unglaublich gewandelt hat, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass viele Menschen über Stress in der modernen Welt klagen. Die Mechanismen der Evolution haben eben ein anderes Tempo als der technische Fortschritt der Menschheit.

 

Weiterlesen in Teil 3: Aber warum werden manche Menschen depressiv und andere nicht? 

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